Klangerlebnis Barocklaute

Die Sonate G-moll BWV 1001 gehört zu den sechs Soli, die Bach für die Violine allein ohne Begleitung komponiert hat. Von der Fuge existiert eine zeitgenössische Bearbeitung in Tabulatur
für eine dreizehnchörige Laute.
Diese Bearbeitungspraxis legt nahe, auch die restlichen Sätze für die Laute zu bearbeiten. Bach gibt uns ein eigenes Beispiel: Er schuf eine Fassung seiner Cello-Solosuite C-moll für Laute in G-moll.

Sylvius Leopold Weiss zählte zu den berühmtesten Musikern seiner Zeit. Nach Aufenthalten in Italien und verschiedenen Fürstenhöfen war er lange Jahre als Lautenist und Theorbist am Dresdner Hof tätig. Seine Kompositionen wurden von Zeitgenossen mit denen J. S. Bachs verglichen.
Vor einiger Zeit wurden verschiedene Kammermusiken und Lautentabulaturen im niederösterreichischen Schloss Rohrau wiederentdeckt. Erfreulicherweise fanden sich in den Tabulaturen, bei deren Sichtung Michael Freimuth beteiligt war, nicht wenige Werke, die von Sylvius Leopold Weiss stammen. Eine große Zahl unikater, bisher unbekannter Werke kam damit zum Vorschein. Die Stücke des heutigen Konzerts
stammen ausnahmslos aus dieser Sammlung.

In der Fantasie C-moll werden wir am ehesten durch chromatische Finessen an den Stil Bachs erinnert. Leider fehlen im Manuskript die langsamen Sätze Allemande und Sarabande, sodass Courante und Gigue durch ein Menuett in Form eines "Rondeaus" unterbrochen werden.

Die Suite A-moll ist nicht nur aufgrund ihrer Satzfolge interessant. Die Allemande ist eine Variante eines berühmten Stückes des französischen Lautenisten Jacques Gallot: "L'amant malheureux". Weiss scheint dies Stück gern gespielt zu haben. Zwei weitere Fassungen befinden sich in anderen Bibliotheken. Die große Fantasie, die an ungewöhnlicher Stelle in dieser vom französischen Stil geprägten Suite steht, besticht durch den großen Tonumfang. Weiss verlangt akkordisches Spiel bis in die höchsten Lagen: etwas, das ihn von anderen Lautenkomponisten unterscheidet. Die Gigue ist eine bloße Umwandlung der Allemande in einen Dreier-Takt; ein typisches Merkmal, das nur bei deutschen Komponisten dieser Zeit zu finden ist.

Das Capriccio F-dur beginnt mit einem rhythmisch freien, akkordischem Teil, dem ein schnellerer im 3/4-Takt folgt. Bemerkenswert hier ist eine lange Arpeggiando-Passage unter Verwendung der nicht gegriffenen Chanterelle, also höchsten Saite.

In der Suite D-moll sind umfangreiche Einzelsätze vereint: Ein freies Preludio, dann eine zweiteilige Fantasie mit einem furiosen Presto und abschließendem Dreiertakt, der schon die Sarabande anklingen läßt. Der folgende Satz Sonata, zweiteilig mit einem Fugato, erinnert an den Stil Corellis, wie auch die letzten Sätze Sarabande und Gigue. In allen Sätzen kommt eine chromatisch abwärts gehende Linie vor, die zwar unterschiedlich kompositorisch verarbeitet ist, als übergreifendes Motiv aber die ganze Suite zu einer Einheit werden lässt.


Sylvius Leopold Weiss
1687 – 1750................................. Suite C-moll

........................................................................................... Fantasia
........................................................................................... Courante
........................................................................................... Menuet I,II
........................................................................................... Gique

Johann Sebastian Bach 1685 – 1750 .............................. Sonata G-moll BWV 1001
........................................................................................... Adagio
........................................................................................... Fuga
........................................................................................... Siciliana
........................................................................................... Presto

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Sylvius Leopold Weiss .................................................. Suite A-moll
........................................................................................... Capricio
........................................................................................... Allemande en double
........................................................................................... Courante
........................................................................................... Fantasia
........................................................................................... Gique

....................................................................................... Capricio, Gique und Menuet F-dur


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Suite D-moll
........................................................................................... Preludio
........................................................................................... Fantasia
........................................................................................... Sonata
........................................................................................... Sarabande
........................................................................................... Gique