Franz Schubert

Winterreise“

Texte von Wilhelm Müller


Instrumente:
Gitarre 9-saitig, anonym, böhmisch, 19. Jahrh.
Terz-Gitarre 9-saitig, Georg Tiefenbrunner, München ca. 1860


Erste Abtheilung (Februar 1827)
1. Gute Nacht
2. Wetterfahne
3. Gefrorne Thränen
4. Erstarrung
5. Der Lindenbaum
6. Wasserfluth
7. Auf dem Flusse
8. Rückblick
9. Das Irrlicht
10. Rast
11. Frühlingstraum
12. Einsamkeit

Zweite Abtheilung (October 1827)
1. Die Post
2. Der greise Kopf
3. Die Krähe
4. Letzte Hoffnung
5. Im Dorfe
6. Der stürmische Morgen
7. Täuschung
8. Der Wegweiser
9. Das Wirthshaus
10. Muth!
11. Die Nebensonnen
12. Der Leiermann

Das Singen von Liedern zur Gitarre erfreute sich im Wien des frühen 19.Jahrhunderts großer Beliebtheit. Belegt ist dies durch die große Anzahl überlieferter handschriftlicher und gedruckter Lieder dieser Zeit. Allein im Verlag Anton Diabelli erscheinen mehr als 350 der „beliebtesten Gesänge mit Begleitung der Guitarre“, darunter auch etliche Franz Schuberts. Der gesamte Zyklus der „Schönen Müllerin“ sollte mit „Guitarre-Begleitung“ erscheinen, wozu es aber wohl nicht kam. Aus Schuberts „Winterreise“ gibt es aus der damaligen Zeit nur „Die Post“ in einer Bearbeitung von C. J. Mertz (nach 1842).

Beim Bearbeiten der Winterreise für Gitarre stößt man unweigerlich aufgrund der Tonarten und des musikalischen Satzes schnell an die Grenzen des Instruments. Deshalb bedient sich die vorliegende Einrichtung zweier grundlegender Hilfen. Zum einen der Gebrauch einer sogenannten Terzgitarre, also einer Gitarre, die eine kleine Terz höher gestimmt ist als normal. Solch ein Instrument war gebräuchlich, sowohl in der Solo-, als auch in der Kammermusik. Mauro Giuliani schrieb ein Konzert für Terzgitarre und Orchester. Die Terzgitarre erleichtert das Spiel in den B-Tonarten und erweitert den Tonumfang nach oben.

Die andere Hilfe ist der Einsatz von Gitarren mit zusätzlichen Bass-Saiten. Diese Instrumente waren vielleicht nicht so häufig anzutreffen, doch gibt es etliche Hinweise und originale Instrumente. Schon der Gitarrist Simon Molitor schreibt 1806: „Eine Vermehrung der Guitarre mit drey oder wenigstens zwey Baßsaiten, welche nach der Tonart gestimmt werden könnten, würde dem Instrument sehr wohl thun.“ Spätere Gitarristen wie L. Legnani, N. Coste und C. J. Metz spielten bis zu 10-saitige Gitarren. Dass Arrangements der Schubertschen Lieder nicht immer leicht waren, beschreibt eine Anzeige aus dem Frankfurter „Allgemeinen Musikalischen Anzeiger“ vom 30. Sept. 1826: „Franz Schuberts Gesänge mit Gitarre-Begleitung. 21stes Werk. Wien bei Sauer u. Leidesdorf. 12.gr. Drei gute Gesänge für eine Baßstimme. Die Begleitung ist zuweilen schwierig.“

So stellt auch die Bearbeitung der Winterreise hohe Anforderungen an den Begleiter, jedoch in einer Weise, wie sie auch zu Schuberts Zeiten möglich gewesen wäre.